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02.05.2018

Gymnasium - Plädoyer für den Status Quo


Eine "Illusion" nennt Lena Schenkel in der NZZ die Chancengerechtigkeit beim Zugang zum Gymnasium. Von den rund 45 Prozent, welche die Aufnahmeprüfung ans Langzeitgymnasium bestanden haben, stammen die meisten aus bildungsnahem Milieu. Trotzdem spricht sich Schenkel für die Beibehaltung des Status Quo aus. Jede Veränderung würde laut Schenkel nur neue Ungerechtigkeiten schaffen. Flächendeckende, kostenlose Gymiprüfungs-Vorbereitungskurse lehnte der Zürcher Kantonsrat 2016 ab. Eine Abschaffung der Gymiprüfung würde die Lehrpersonen massiv unter Druck setzen. Eine Erhöhung der gymnasialen Maturitätsquote könnte laut Schenkel Aufnahmeprüfungen der Universitäten zur Folge haben. Zudem würden noch mehr Lehrlinge in technischen anspruchsvollen Branchen fehlen, was fatal wäre für den Fachkräftemangel. Weil die vielgepriesene Durchlässigkeit der Bildungswege in der Realität kaum stattfindet, plädiert Schenkel zwar nicht für die Abschaffung des Langzeitgymnasiums - denn damit entzöge man den Begabtesten die Frühforderung - wohl aber dessen Verkleinerung, damit mehr leistungsstarke SchülerInnen in der Sekundarschule bleiben. Damit bestätigt Schenkel die gegenwärtige Zürcher Bildungspolitik, nach der mehr GymnasiastInnen über das Kurzzeitgymnasium und weniger über das Langzeitgymnasium ausgebildet werden sollen.

Quelle: Schenkel, Lena: Zugang zum Gymasium: Die Chancengerechtigkeit ist eine Illusion. NZZ. 28.4.2018